Archiv für den Monat: September 2011

Neue Malware kümmert sich um Bitcoin Miner

Originalartikel von Roland Dela Paz, Threat Response Engineer

In den letzten Wochen hat Trend Micro bereits des öfteren über Angriffe berichtet, bei denen Systeme mithilfe einer Schadsoftware in Bitcoin Miners „verwandelt“ wurden. Jetzt sind die Sicherheitsforscher auf einen weiteren, wohlbekannten Schädling, nämlich TDL4, gestoßen, der für diese Art von Attacken zum Einsatz kommt.

TDL4, eine Variante der TDSS-Familie, ist dafür berüchtigt, sich der Entdeckung durch Antivirus-Produkte zu entziehen, indem die Malware den Boot-Sektor betroffener Systeme infiziert. Schon vor einiger Zeit stießen die Experten von Trend Micro auf TDL4-Verbreitungsroutinen, die eine Wurmkomponente (WORM_OTORUN.ASH) dafür nutzen. Neuere Varianten dieser Komponente enthalten Code, der für eine Verbindung zum Bitcoin-Pool Deepbit zuständig ist.

 

Der Screenshot zeigt einige Parameter, wie etwa „getwork“, mit dem die Software einen Job aus dem Mining Pool anfordert. In Bitcoin-Pools melden sich Nutzer an und treten einem Miner-Netzwerk bei, um an demselben Job zu arbeiten.

Die Daten des Trend Micro Smart Protection Networks zeigen, dass die Verteilung des Wurms in den letzten Monaten weitere Teile der Welt erobert hat. Das Smart Protection Network analysiert fortlaufend die Daten aus dem Feedback von Millionen von Kunden, sodass die Sicherheitsforscher in Echtzeit verfolgen können, wie sich ein bestimmter Schädling ausbreitet und wie sich die Gefahr minimieren lässt.

Trend Micro konnte auch feststellen, dass die Command-&Control-Server von zwielichtigen Internet Service Providern in Europa, vor allem in der Ukraine, Rumänien und in den Niederlanden, gehostet werden.

Das Konzept des Minings in Pools ergänzt die Botnetze – eine Reihe von Zombie-PCs tragen zum Erzeugen eines Bitcoin-Blocks bei, die Belohnung kassieren die Kriminellen und die Kosten trägt das Opfer.

Neues Ziel: Mobile Geldbörsen ausspähen

Originalartikel von David Sancho, Senior Threat Researcher

Google bewirbt die neue Android-App Google Wallet als eine Revolutionierung der Bezahlmöglichkeiten. Bezahlen, indem man das Handy an ein Terminal hält und seine PIN eingibt – ob das gut klingt?

Nun, in erster Linie muss es ein Android-Gerät sein. Diese Geräte sind mittlerweile beliebter als die iPhones, aber die Android-Plattform ist auch die die derzeit am meisten angegriffene Software der Welt. Daraus lässt sich aber nicht schließen, dass alles, was auf diesen Geräten läuft, schlecht ist oder ein Sicherheitsrisiko darstellt. Zudem nutzt die App NFC (Near Field Communications), einen Übertragungsstandard, der RFID ähnelt. Die Technologie ist zwar sehr nützlich, liefert aber auch ein gutes Ziel für Kriminelle, die mithilfe einer großen Antenne unter Umständen meine ID-Nummer auslesen können. Derzeit wollen auch viele Banken (in Deutschland etwa die Sparkassen berichtet ZDnet) noch nicht mitmachen.

Nicht zu vergessen, Hacker beobachten die mobilen Plattformen sehr genau auf der Suche nach neuen Angriffsmöglichkeiten, denn schließlich wollen sie viel Geld verdienen.

 

Solange der Vorrat reicht: Biete Root-Zugriff auf mysql.com

Originalartikel von Maxim Goncharov, Senior Threat Researcher

Mysql.com scheint ein attraktives Angriffsziel zu sein. Unbekannte Hacker haben die Website von MySQL mit JavaScript-Code infiziert, berichtete eWeek. Ziel des Angriffs ist es, Besucher der Website auf eine mit einem BlackHole Exploit Kit kompromittierte URL umzuleiten, wo automatisch Malware auf das System des Opfers heruntergeladen wird.

Gleichzeitig stießen die Sicherheitsforscher von Trend Micro kürzlich auf einen interessanten Eintrag in einem russischen Untergrund-Forum, in dem Hacker Informationen über ihre illegalen Aktivitäten austauschen. Der Nutzer sourcec0de mit der ICQ-Nummer 291149 bietet dort Root-Zugriff auf einige der Cluster-Server von mysql.com, die Website der quelloffenen Datenbank MySQL, und dessen Unterdomänen zum Kauf an. Für 3000 US-Dollar pro Zugriff erhält der Interessent einen Root-Zugriff über ein Shell-Fenster auf der Konsole. Das Geschäft wird über ein Treuhandsystem abgewickelt.

Die Sicherheitsforscher waren bereits bei früheren Untergrundrecherchen auf sourcec0de gestoßen, der gestohlene PayPal-Kontodaten verkaufte und über das Management von Botnetz C&C-Server diskutierte. Trend Micro hat MySQL über den Sachverhalt informiert.

Ein Zusammenhang zwischen diesem Angriff und dem Verkäufer von Root-Zugriffen ist nicht herzustellen.

 

 

Nicht die Timeline, sondern der Ticker ist gefährlich

Originalartikel von Rik Ferguson, Security Research & Communication EMEA

Seitdem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ein neues Profil, „Timeline“ genannt, ankündigte, wird heftig über dessen Auswirkungen auf die Privatsphäre diskutiert. Im Grunde geht es darum, dass Facebook alle Informationen, die ein Nutzer bereits angegeben hatte – sein Profil, seine Fotos, Einträge, Kommentare und alles, was über ihn veröffentlicht wurde –in Timeline in chronologischer, anklickbarer Reihenfolge präsentiert.

Nachdem der Autor die neue Timeline selbst ausprobiert hatte (Interessierte können dies auch vor dem allgemeinen öffentlichen Release nach dieser Anleitung tun), fand er das Layout schöner und intuitiver als das alte. Auch die Sorge vieler, es wäre nun viel einfacher, Informationen über die Nutzer zu sammeln, kann er nicht teilen. Natürlich erleichtert es Timeline jedem, der auf ein Profil zugreifen darf, die gewünschten Informationen zu finden. Aber mal ehrlich, erstens kann jeder sein Profil auf „privat“ setzen, und es liegt auch in der Hand der Nutzer bei der Wahl ihrer Freunde entsprechend wählerisch zu sein.

Viel mehr Skepsis sollte der Ticker , die neue scroll-fähige Ansicht der Updates in der rechten oberen Ecke einer Facebook-Seite, wecken. Hier werden alle Aktivitäten eines Nutzers für alle Freunde in Echtzeit sichtbar angezeigt, einschließlich Anmeldungen, Interaktionen mit Leuten und Gruppen, die nicht alle Freunde kennen. Das öffnet Tür und Tor für Stalker! Denn nun kann jemand nicht nur verfolgen, was der Nutzer auf Facebook mit Leuten tut, die er/sie kennt, sondern auch des Nutzers Kommentare, Einträge oder „Likes“ an Leute, die er nicht kennt, werden sichtbar.

Facebook-Nutzer können jetzt nur eines tun, Facebook auffordern diese Funktionalität neu zu konfigurieren und dabei dieselbe Diskretion einzuführen, die jede normale Person im echten Leben für sich in Anspruch nimmt. Derzeit gibt es immer mehr Einträge folgenden Inhalts:

Hier die Übersetzung:

“Bitte fahr mit der Maus über meinen Namen und warte, bis die Box geladen ist. Dann fahr über den ‘Abonniert’-Link und deaktiviere die Wahl ‘Kommentare und Gefällt mir-Angaben’. Ich mag es nicht, wenn meine Kommentare zu den Einträgen von Freunden nochmals veröffentlicht werden. Danke! Dann wiederhole den Eintrag, falls Du nicht möchtest, dass Dein EVERY MOVE auf der rechten Seite erscheint, sodass ihn jeder sehen kann! Wenn Du willst, tue ich dasselbe für Dich. Klick auf den Like-Button.”

 

Neues Hackernetz: Angriff auf Russland, Kasachstan und die Ukraine

Originalartikel von David Sancho, Threat Researcher, und Nart Villeneuve, Threat Researcher

Quelle: Flickr

Trend Micro hat eine Reihe von gezielten Angriffen aufgedeckt, bei denen 1465 Computer 61 Ländern infiziert wurden. Die Sicherheitsforscher konnten 47 Opfer der als LURID bekannten Methode identifizieren, unter anderem diplomatische Missionen, Ministerien, Raumfahrtbehörden sowie Forschungsinstitute. Am meisten davon betroffen sind Russland, Kasachstan und Vietnam und weitere Länder vor allem in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

In den 300 zielgerichteten Angriffen nutzten die Hacker einen in einen Schädling eingebetteten eindeutigen Erkennungsmarker (unique identifier) und ein Command-&-Control-Netzwerk mit 15 Domänennamen und zehn aktiven IP-Adressen für eine ständige Kontrolle über die Opfersysteme. Die Schadsoftware wurde bereits in der Vergangenheit für Angriffe auf Behörden und Nichtregierungsorganisation in den USA eingesetzt. Die Trend Micro-Sicherheitsexperten gehen aber davon aus, dass es keine Verbindung zwischen dem früheren und dem aktuellen Netzwerk gibt.

Diese Art der zielgerichteten Malware-Attacken werden mittlerweile als Advanced Persistent Threats bezeichnet. Dabei erhält das potenzielle Opfer eine E-Mail-Nachricht mit einem Dateianhang, dessen bösartiger Inhalt Schwachstellen in Programmen wie dem Adobe Reader (.PDF) und Microsoft Office (.DOC) ausnutzt. Öffnet der Empfänger die Datei so wird der Code unbemerkt auf seinem Computer ausgeführt und die Angreifer können danach das System kontrollieren und sich frei in dem Netzwerk des Betroffenen bewegen. Schlussendlich können die Hacker kritische Informationen aus diesem Netzwerk abgreifen.

Analyse des Angriffs

Weiterentwicklung: Diese Angriffsserie hat eine Reihe von Schwachstellen in Adobe Reader, einschließlich CVE-2009-4324, CVE-2010-2883, sowie mit RAR komprimierter Dateien (mit infizierten Bildschirmschonern) ausgenutzt. Jeder Angriff brachte das Opfersystem dazu, sich mit demselben Netzwerk von C&C-Servern zu verbinden. Die Hacker nutzten  nicht immer „Zeroday“-Exploits aus, sondern griffen häufig auch auf ältere, „verlässliche“ Exploit zurück und sparten die neuen für schwerer zugängliche Ziele auf. Die Analysen solcher Exploits durch Trend Micro sind noch im Gange.

Persistenz: Die Malware nutzte zwei verschiedene Persistenzmechanismen. Die eine Version installierte sich selbst als Windows-Dienst, um ihre Beständigkeit aufrecht zu erhalten, die andere kopiert sich selbst in das Systemverzeichnis und veränderte das allgemeine Start-up Windows-Verzeichnis. Dann kopierte der Schädling alle üblichen Autostart-Prozeduren und sich selbst dahin. Die Sicherheitsforscher konnten die Malware und Opfer der von der Schadsoftware ausgebenen Marker verschiedenen „Kampagnen“ zuordnen.

Bedrohung: Die Schadsoftware schickt die von den infizierten Computern gesammelten Informationen über HTTP POST an einen C&C-Server. Mittels dieser Kommunikation sind die Hacker in der Lage, eine Vielfalt an Befehlen an die kompromittierten Computer zu schicken, um Dateien zu versenden und zu erhalten, aber auch um eine interaktive Remote Shell auf den Opfersystemen zu aktivieren. Unter anderem konnten die Angreifer so Verzeichnisse abgreifen und Daten, wie bestimmte XLS-Dateien, stehlen. Anhand der Informationen, die Trend Micro von den C&C-Servern holen konnte, lässt sich sagen, dass es sich um 1465 eindeutige Hosts (Hostname und MAC-Adresse) sowie um 2272 eindeutige externe IP-Adressen handelt. Die zehn am meisten betroffenen Länder (den IP-Adressen zufolge) sind:

 

RUSSLAND 1063
KASACHSTAN 325
UKRAINE 102
VIETNAM 93
USBEKISTAN 88
BELORUSSLAND 67
INDIEN 66
KIRGISIEN 49
MONGOLEI 42
CN 39

 

Wie so häufig ist es schwierig zu sagen, wer hinter den Angriffen steckt, denn die Merkmale wie IP-Adressen oder Domänennamen-Registrierung sind einfach zu manipulieren, um die Sicherheitsforscher in die Irre zu führen. Aufgrund der Analyse lässt sich feststellen, dass die Hacker es auf bestimmte Dokumente und Spreadsheets abgesehen haben, doch nicht welche Daten sie interessiert haben.