Ägypten: Wenn die Lichter ausgehen

Originalartikel von Rik Ferguson (Senior Security Advisor bei Trend Micro)

Seit vergangener Nacht ist Ägypten vom Internet weitgehend abgetrennt. Etliche Internet Service Provider (ISPs) sind komplett unsichtbar, darunter LINKdotNET, RAYA Telecom, Internet-Egypt, Vodafone-EG und IDSC. Und auch die Verbindung der anderen ISPs ist deutlich eingeschränkt. Der einzige Diensteanbieter mit weiterhin hundertprozentiger Verfügbarkeit scheint Noor Data Networks zu sein (Ob es am Namen liegt? Denn „Noor“ ist der ägyptische Begriff für „Licht“).

Selbst die National Telecoms Regulatory Agency ist im Augenblick nicht erreichbar, wie auch die meisten der wichtigen Nachrichtenstellen sowie offiziellen und inoffiziellen Informationsquellen. Das auf IT-Sicherheit spezialisierte SANS-Institut berichtet, dass externe Zugriff zur Namensauflösung der Internetadressen in der .eg-Domäne nicht möglich ist.

Da all dies fast zur selben Zeit geschah, besteht Grund zur Annahme, dass die Trennung vom Netz Teil einer offiziellen Taktik ist, um die wachsenden politischen Unruhen im Land einzudämmen. Die Gegenmaßnahmen begannen mit der Zensur der sozialen Netzwerke im Land, aber wie die Erfahrungen im Iran lehren, finden entschlossene Menschen schnell Mittel und Wege, diese Einschränkung mit der Hilfe von außen zu umgehen.

Falls also die aktuelle Aktion von offizieller Seite gesteuert wird, hat es den Anschein, dass das Regime in Ägypten aus den Erfahrungen im Iran, die Kommunikationswege zu unterbrechen, gelernt und noch drastischere Maßnahmen ergriffen hat. Die Aktion ist beispiellos in der Geschichte des Internets.

Zurzeit ist Ägypten tatsächlich vom Internet abgetrennt und es gibt bereits hie und da Berichte, dass ähnliche Aktionen bei den mobilen Telefonnetzen unternommen werden, um die Sprach- und Textkommunikation zu unterbrechen.

Es ergingen bereits Aufrufe an Amateurfunker, der ägyptischen Bevölkerung Unterstützung dabei zu leisten, mit der Welt wieder in Verbindung zu treten und zu kommunizieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*