Begegnung mit einem Internet-Betrüger

Originalartikel von David Sancho (Advanced Threats Researcher bei Trend Micro)

Folgende Geschichte über einen Autoverkauf im Internet hört sich zwar witzig an, zeigt aber vor allem, wie dreist Betrüger sind und wie sorgfältig Nutzer die Kommunikation mit Unbekannten prüfen sollten.

Ich versuche gerade, mein Auto über Facebook Marketplace zu verkaufen. Kaum hatte ich das Verkaufsangebot dort eingestellt, bekam ich eine Nachricht von einer gewissen Caroline McMillan, die Einzelheiten zum angebotenen Auto haben wollte. Die lieferte ich sofort und bekam umgehend ihre Zusage, das gute Stück kaufen und die Bezahlung über PayPal abwickeln zu wollen. Ich wurde stutzig: Einen Wagen über PayPal bezahlen, ohne einen Blick darauf geworfen zu haben? Es schrillten sofort die Alarmglocken und ein Suchlauf über Google ergab sehr schnell, dass ich es mit einem Betrüger zu tun hatte.

Jetzt wollte ich es genau wissen und gab ihr (oder wahrscheinlich ihm) meine PayPal-Adresse für die Geldüberweisung, und dann kam’s … Sie schrieb, sie müsse Geld an die Firma zur Autoabholung überweisen und die akzeptieren keine Kreditkarten. Daher benötige sie meine Hilfe, sprich, ich solle 750 Euro über Western Union überweisen. Aha, das ist also die Masche!

Ich ließ sie wissen, dass ich selbstverständlich ich nichts überweise, bevor ich von ihr das Geld auf meinem Konto habe. Erstaunlicherweise erklärte sie sich damit einverstanden und versprach, die Zahlung so schnell wie möglich zu tätigen.

Einige Minuten später erhielt ich dann eine E-Mail von PayPal. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich eine Reihe von Ungereimtheiten, ja sogar Schreibfehler. Die Nachricht war definitiv nicht von einem englischen Muttersprachler verfasst worden. Kurze Zeit später kam eine weitere absurde E-Mail von einem „William“ von PayPal, der mir mitteilte, die Geldsumme sei eingetroffen und ich solle nun das Geld  über Western Union an besagte Transportfirma überweisen. Wer fällt auf so etwas herein? Also ignorierte ich diese E-Mail und antwortete „Caroline“: „Ich warte auf das Geld und werde den Eingang bestätigen. Bislang ist noch nichts auf meinem Konto.“

Offensichtlich, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten, antwortete sie mir: „Lesen Sie bitte die Mail an Sie gesendet werden sehr gut.“ So, so!

Mehr Infos ließen sich nun aus diesem Betrüger nicht herausholen, deshalb schickte ich einen Link zu einer Website, die vor diesem Betrug warnt. Um keinen Verdacht zu wecken, kürzte ich die URL mit bit.ly ab, und nach fünf Minuten sah ich auf der Stats-Seite, dass nur ein einzelner Zugriff auf diese URL getätigt worden war. Raten Sie mal woher? Nigeria!

Deshalb ist größte Vorsicht geboten, wenn jemand eine Geldüberweisung von Ihnen fordert und noch mehr, wenn das Geld über Western Union gehen soll!

9 Gedanken zu „Begegnung mit einem Internet-Betrüger

  1. Corinna

    Bei mir war es ‚justin brian’… Auch aufm schiffchen unterwegs, totaler mist… Auch komische emails von paypal und so…

  2. Julia

    Ich bin so froh, dass ich das hier gelesen habe! Bei mir wars der selbe Quatsch. Ozeanograph, namens Michelle Brown wollte eine Jacke über DaWanda kaufen, als Geschenk für die Cousine. Ich fands ja ein wenig komisch als ich nach der Größe gefragt hatte und sie meinte: wäre egal, sie würde die nehmen, die ich habe… naja aber man denkt sich, na gut… aber dann hab ich auch via e-Mail eine Nachricht angeblich von Paypal bekommen, dass ich das Geld bekommen habe, aber nichts war auf dem Konto zu sehen. Ich fand den e-Mailkontakt schon die ganze Zeit ein wenig komisch, aber als ich dann auch wirklich kein Geld bekommen habe dachte ich mir, dass ich morgen früh erst mal bei Paypal anrufe um nachzufragen, ob das auch alles so richtig ist. Aber da ich jetzt diese Seite gefunden habe kann ich es sein lassen. weiß jetzt ja zum Glück was los ist…

  3. werner

    vicente ferrando… so hieß er bei uns!!!!
    was sollte mien paypal mit western union von der lieferfirma zum tun haben???
    da wurde ich stutzig… und anscheinend zruecht!
    danke an alle vorredner!

  4. Katja

    Gut dass ich Euch gefunden habe. Bei mir ist es Marion Will. Ebenfalls Ozeanograph und auf See.Sie hat mich über Dawanda aufgespürt. Der Text ist nahezu identisch mit dem von florina… Nachdem ich “ Marion “ mitgeteilt habe, dass ich mich zunächst bei PayPal erkundigen werde, ob die Zahlung definitiv eingegangen ist, hat sie versucht an mein Gewissen zu appellieren, mir erneut von (angeblich) PayPal eine Bestätigung der Zahlung geschickt und mir eine „sichere Adresse“ via Western Union zukommen lassen. Ich hab dann den Kontakt eingestellt. PayPal und auch Western Union haben mir übrigens den Betrug bestätigt. Die letzte Mail heute morgen lautete:
    What ıs goıng on?Why ın sılence?am awaıtıng your response,Kındly get back to me now…
    Und das, nachdem ich mitgeteilt habe, dass ich die ganze Geschichte für einen Betrug halte… Na, mal sehn ob`s noch weitergeht.

  5. Wuscheltine

    Danke! Bei mir heißt er sean_carter1 und fährt die selbe Masche mit den Bildern ankaufen über PayPal und Western Union……

  6. florina

    Auch von mir ein danke! Bei mir hat sich eine gewisse julia monelle gemeldet, oceanograph, und eine wirre geschichte gesponnen, an dessen ende auch ein western union aufruf stand. „julia“ kontaktierte mich über dawanda und wollte einen mantel kaufen für ihre mutter und ihn dann von einem agent abholen lassen. gleiche geschichte wie bei lena (oben).

    auch ich hatte bei dem ersten kontakt schon ein eigenartiges gefühl, dass sich dann über den mehrfachen emailverkehr verstärkt hat.

  7. Lena

    Danke für die Warnung! Mir ist dasselbe passiert!
    Sofortige Zahlbereitschaft, ohne den Artikel sehen zu wollen, abgedroschene Masche, abgefahrene Geschichten. Mein Käufer befindet sich angeblich auf dem Meer und ist Oceanograph (jaja, natüüüürlich!) und will das Stück (ich verkaufe Bilder) über einen Spediteur oder Mittelsmann abholen. Auch er bittet mich um die Zahlung über die Western Union, da die Paypal-Zahlung angeblich nicht funktioniert. Das Englisch ist zuuu schlecht, um Muttersprache zu sein und in den Emails verrät der Käufer niemals seinen Namen.
    Unbedingt dem eigenen Gefühl trauen und die Finger davon lassen!

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