Beschwerde beim FTC über fehlende Android-Updates

Originalartikel von Jonathan Leopando, Technical Communications

Letzte Woche ging eine interessante Beschwerde bei der US-Bundeshandelskommission (Federal Trade Commission, FTC) ein. In einem 16 Seiten langen Brief beschwert sich die American Civil Liberties Union über das Fehlen von Updates für viele Android-Geräte und bezeichnet diesen Mangel als „unfaire und betrügerische Geschäftspraktik“. Das Papier fordert des Weiteren die vier größten US-Funkanbieter auf, Kunden mit nicht aktualisierten (und angreifbaren) Geräten vorzeitig aus den Verträgen zu entlassen.

Vor knapp  zwei Monaten hatte die FTC einen Streit zwischen HTC und dem Carrier IQ geschlichtet, wobei nicht gepatchte Sicherheitslücken eine Schlüsselrolle in dem Vergleich spielten. HTC verpflichtete sich, die Sicherheitslücken innerhalb von 30 Tagen zu schließen. Zwar war die Patch-Aktion lobenswert, doch nicht gerade zeitnah, denn Carrier IQ war bereits Ende 2011 in die Schlagzeilen geraten.

Dennoch ist diese Klage wichtig, denn sie bringt das Android Update-Problem ins Bewußtsein einer breiteren Öffentlichkeit und legt es in die Hände einer Regulierungsbehörde.

Vor zwei Jahren war die Android Update Alliance gegründet worden. Google versprach damals, mit Betreibern und Geräteherstellern zusammen zu arbeiten, um die Geräte 18 Monate lang nach ihrem Erscheinen auf aktuellem Stand zu halten. Leider hört man seither nichts mehr von der Allianz.

Die am weitesten verbreitete Android-Version ist 2.3 (Gingerbread), zuletzt im September 2011 aktualisiert. Die neueste Version 4.2 (Jelly Bean) nutzen lediglich zwei Prozent, und die nächste Version (Codename Key Lime Pie) soll im Mai auf den Markt kommen. Das heißt, 4.2 wird bis dahin eventuell nicht einmal eine zweistellige Prozentzahl der Nutzer erreichen.

Im Gegensatz dazu hat Apple mehr als 20 Prozent der iOS-Anwender auf iOS 6.1 mitnehmen können – und das innerhalb von nur 36 Stunden nach dem Erscheinen. Laut Informationen aus Entwicklerkreisen läuft auf fast 90 Prozent der aktuellen iOS-Geräte auch eine aktuelle Betriebssystemversion.

Das Grundproblem ist die Art, wie Android-Geräte aktualisiert werden, und die unterscheidet sich erheblich von der iOS- und Windows-Art. Bei beiden genannten Betriebssystemen steht ein Unternehmen dahinter, das für die Verteilung der Updates an Endbenutzer verantwortlich ist. Bei Android kann der Hauptentwickler (Google) Updates entwickeln und veröffentlichen, aber die Verteilung an die Nutzer liegt in den Händen der Gerätehersteller und Betreiber. Die Grafik illustriert diese komplexe Situation:


Für den Verbraucher mag dies trivial klingen, doch das ist es nicht. Jede Android-Version kommt mit Sicherheitsüberarbeitungen und bringt neue Fähigkeiten, die längerfristig wertvoll sind. Hält dieser Zyklus verschobener Updates an, so werden sehr viele Nutzer nur einen veralteten Schutz für ihr Gerät haben. Diese Situation kennt man von Windows, die Konsequenzen auch.

Noch ist nicht klar, wann und ob dieses Problem gelöst werden kann, denn viele Parteien sind darin involviert, und sie haben unterschiedliche Interessen. Daher müssen die Nutzer Anbieter dazu bringen zuzuhören! Sie sollten die Wahrscheinlichkeit, Updates zu bekommen, zu einem entscheidenden Kriterium beim Kauf machen.

 

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