Blockchain: Chancen und Risiken

Originalartikel von Trend Micro

Alle paar Jahre taucht eine fortschrittliche und innovative Technologie auf, die dann zum nächsten großen Ding für Organisationen in verschiedenen Branchen wird. Beispiele dafür sind die Cloud und Big Data, die in der ersten Hype-Phase mit so ziemlich allem im technischen Bereich in Verbindung gebracht wurden. Derzeit ist es die Blockchain, die diese Rolle einnimmt und in Diskussionen und Initiativen aller Arten aufkommt. Insbesondere für Finanzdienstleister ist es jedoch sehr wichtig, nicht nur die Grundlagen der Blockchain zu verstehen, sondern auch zu prüfen, welche Gefahren und Chancen dieses Konzept mit sich bringt.

Grundkonzepte

Es gibt eine Fülle verschiedener Definitionen für Blockchain, doch zu den wichtigsten Erklärungen, über die sich Experten einig sind, gehören folgende:

  • Blockchain ist die zugrundeliegende Technologie, die Kryptowährungen wie Bitcoin möglich macht.
  • Blockchain ist ein digitales Ledger, in dem die mit Kryptowährungstransaktionen verbundenen Informationen geprüft und verifiziert werden.
  • Kryptowährungs-Miner führen diese Überprüfung durch und müssen leistungsfähige Computersysteme einsetzen zum Lösen Hash-Funktionen, um verifizierte Transaktionen zur Blockchain hinzuzufügen.
  • Sobald eine Transaktion verifiziert und der zugehörige Hash-Algorithmus gelöst ist, wird die Transaktion in den nächsten Block der Blockchain aufgenommen, der dann unveränderbar und Teil des gesamten digitalen Ledgers ist.
  • Kryptowährungs-Miner erhalten für ihre Arbeit eine kleine digitale Summe.

Ohne dieses System gäbe es keine Möglichkeit, die Transaktionen mit digitalen Währungen zu überprüfen oder zu nachzuverfolgen. Und wenn neue Kryptowährungen auftauchen, werden zusätzliche Blockchains etabliert, um den Wert der Währung zu unterstützen.

Anwendungsszenarien

Als öffentlicher Ledger, derKryptowährung unterstützt, scheint Blockchain genau das Richtige für Finanzdienstleister zu sein. Gleichzeitig aber, wenn jeder eine öffentliche Blockchain überprüfen und ergänzen kann und das Konzept damit zu einem System ohne zentrale Finanzdienstleistungs Authority wird, stellt sich die Frage, wo die Chancen für die Unternehmen in dieser Branche liegen.

Deloitte zufolge gibt es genügend Gelegenheiten für Finanzdienstleister, die Vorteile von Blockchain zu nutzen. Zu den möglichen Anwendungsfällen gehören:

  • Unterstützung für internationale Transaktionen: Da Blockchain einen weltweit einheitlichen Krypto-Währungswert ermöglicht, könnte Blockchain genau das Richtige sein, um schnellere und effizientere grenzüberschreitende Transaktionen zu ermöglichen. War dies doch traditionell ein langsamer und kostspieliger Prozess, so hat Blockchain das Potenzial, die Komplexität erheblich zu reduzieren.
  • Aktienhandel ermöglichen: Blockchain und Kryptowährungen könnten auch an der Börse eingesetzt werden, um den Aktienhandel zu straffen und  zusätzliche Vorteile wie höhere Genauigkeit und schnellere Abwicklung zu bieten.
  • Verbesserung des Identitätsmanagements: Ein System nach Blockchain-Art könnte auch auf das Online-Identitätsmanagement angewendet werden, wo sich die Benutzer selbst in der Blockchain registrieren und dann wählen können, wer ihre Identität kennen darf.
  • Verbesserung der Kundenbindungsprogramme: Deloitte stellte fest, dass Banken  Blockchain auch nutzen könnten, um Transaktionen besser verfolgen und Kundenbindungsprogramme besser belohnen zu können.

Probleme: Cryptojacking

Neben all den Chancen, die das Konzept der Blockchain bereithält, gibt es auch einige Probleme zu bedenken. Da geht es zum einen um die bösartigen Aktivitäten, die mit der steigenden Beliebtheit des Minings einhergehen. Wie bereits erwähnt, müssen Nutzer die Informationen von Kryptowährungs-Transaktionen überprüfen, eine Hash-Funktion lösen und dann die Transaktion zum nächsten Block in der Kette hinzufügen. Dafür erhält der Krypto-Währungs-Miner eine kleine „Belohnung“. Cyberkriminelle nutzen dies über so genanntes Cryptojacking aus, indem sie Systeme kapern und für das Schürfen von Kryptowährungen missbrauchen. Im letzten Jahr führten sie eine Kampagne mit Auswirkung auf 1.500 Websites durch, in der sie in einem Assistance Widget Mining Code einbetteten.

Blockchains sind unveränderbar

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Blockchaint, ist die Tatsache, dass Transaktionen, die zu Blöcken in der Kette hinzugefügt werden, nicht mehr editierbar und damit unveränderbar sind, sobald sie verifiziert und in das digitale Ledger aufgenommen wurden. Das System wurde so ausgerichtet, weil sich das Ändern eines Teils eines Blocks auf alle nachfolgenden auswirken könnte – ähnlich wie bei einem langen mathematischen Problem, bei dem ein Fehler frühzeitig alle nachfolgenden Berechnungen beeinflusst.

„Jeder Block hat einen Hash, der auf seinem Inhalt basiert, und trägt den Hash seines Vorgängers“, schrieb Trend Micro CISA VP of Infrastructure Strategies William Malik. Das bedeutet, dass ein Block auf einer Blockkette über seine Vorgänger bis zum allerersten zurück zu verfolgen ist. Das Ändern des Inhalts eines Blocks ändert den Hash des Blocks. Wenn sich der Hash eines Blocks ändert, werden die Nachfolgeblöcke ihn nicht mehr referenzieren. Der Neuaufbau der Kette mit dem Ersatzblock bedeutet, dass der Hash für jeden nachfolgenden Block neu berechnet werden muss, was eine enorme Rechenaufgabe ist. Malik wies darauf hin, dass dieser Teil des Blockchain-Prozesses ernste Auswirkungen haben kann, vor allem angesichts von neuen Regulierungen wie die europäische DSGVO (Datenschutzgrundverordnung).

Blockchain und DSGVO

Eine der Regeln in der DSGVO beinhaltet das „Recht vergessen zu werden“, d.h, jeder EU-Bürger kann verlangen, dass Organisationen, die dessen persönliche Daten nutzen, die Informationen löschen. Nun, das kann für eine Organisation, die an einer Blockchain teilnimmt, zum großen Problem werden. Die DSGVO verbietet zwar Blockchain nicht, so Malik, legt aber einige Verfahrensanforderungen für die kommerzielle Nutzung von Blockchain fest. Eine der Möglichkeiten, Compliance zur DSGVO einzuhalten und trotzdem die Integrität und Genauigkeit der Blockchain zu gewährleisten, wäre die Schaffung eines Systems, das das Entfernen einer bestimmten Identität mit den in der Blockchain enthaltenen relevanten Informationen ermöglicht.

Fazit

Blockchain ist eine komplexe Technologie, die sich in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Dennoch bietet sie vor allem Finanzdienstleistern bestimmte Vorteile, doch müssen sich Anwender auch der damit einhergehenden Risiken bewusst sein.

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