Die mobile Gefahr: Mache oder Wahrheit

Originalartikel von Rik Ferguson, Director Security Research & Communication EMEA

 Vorwort: Hier geht es nicht um Open Source gegen Closed Source, auch nicht um Android gegen iOS oder andere mobile Betriebssysteme. Es geht um Kriminelle gegen ehrliche Menschen, um Hype versus Realität und um reflexartigen Selbstschutz gegen Offenheit und Überlegtheit.

Letzte Woche veröffentlichte Chris DiBona (Open Source Programs Manager bei Google Inc.) auf Google+ einen Beitrag, in dem er behauptete, Open Source sei grundsätzlich unsicher und deshalb sei Android mit Viren gespickt, aber auch weil der App Market nicht so streng wie der von Apple kontrolliert wird.

Auch wenn Chris einige vernünftige Punkte bezüglich der vergleichsweise geringeren Sicherheit von quelloffenem Code anführt, so bleibt der Eindruck bestehen, dass er bewusst irreführende Argumente bezüglich der Bedrohungslandschaft für Smartphone-Anwender liefert. Dieser Beitrag soll als Antwort auf einige dieser Argumente verstanden werden:

1 – „Alle großen Anbieter haben App Markets und alle enthalten Apps, die unrechte Dinge tun, und die entdeckt und aus den Märkten entfernt wurden.“

Das stimmt, alle großen Anbieter vertreiben Apps nach dem Marketplace- oder App-Store-Modell. Auch wurden in den meisten Vertriebskanälen eine oder mehrere gefälschte oder bösartige Apps entdeckt und auch entfernt – einige sogar sehr schnell. Möglicherweise ist dies der Punkt, warum die Kritik an der „Offenheit“ missverstanden wird. Das Problem mit Android ist nicht die Quelloffenheit des Betriebssystems selbst, sondern die Tatsache, dass die Vertriebsmechanismen vollkommen offen sind. Denn neben dem „offiziellen“ Android- Marktplatz, der übrigens auch keine Sicherheitsüberprüfung von Code oder Funktionalität vorab einschließt, gibt es viele weitere Marktplätze von Drittanbietern. Setzt man dies in Verbindung mit der verdienten Beliebtheit der Plattform, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Kriminelle hier bereits aktiv ihre Chancen nutzen. Es ist also nicht die Quelloffenheit, sondern die Offenheit der Quelle.

2 – „Die Antivirenhersteller spielen die Ängste der Nutzer aus, um ihnen Schutzsoftware für Android, RIM und IOS zu verkaufen. Sie sind alle Scharlatane und Betrüger und sollten sich schämen.“

Nun, das klingt nach der Behauptung, es gebe kein Malware-Problem für die weitverbreiteten mobilen Plattformen. Doch die Beweislage spricht eine andere Sprache, und Android selbst scheint das beliebteste Angriffsziel zu sein. TrendLabs beispielsweise hat von Januar bis Juli 2011 einen Anstieg um 1410 Prozent bei Android-Schadsoftware dokumentiert. Um es klar zu sagen: Natürlich geht diese Steigerungsrate von einer kleinen Basis aus, und die vierstellige Zahl ist nicht so schockierend, wie sie auf den Blick scheint. Die schiere Menge der Schädlinge ist um Größenordnungen kleiner als zum Beispiel die für Wintel-Plattformen. Dennoch ist die wichtige Kennzahl nicht die Gesamtzahl der Malware, sondern die stetige Steigerungsrate bei diesen Schädlingen Quartal um Quartal. Das zeigt das aktuelle, aktive und nachhaltige kriminelle Interesse an der mobilen Plattform.

3 – „Wer einen Analystenbericht über Viren, die iOS, Android oder RIM infizieren, liest, der weiß jetzt, dass diese Firma nicht aufrichtig ist und mit Scharlatanen im Bunde steht. Wahrscheinlich gibt es einige Ausnahmen, doch außergewöhnliche Behauptungen benötigen außergewöhnliche Beweise. Stammt ein Bericht über den Schutz von Android, RIM oder iOS von einem Anbieter entsprechender Software, so handelt es sich höchstwahrscheinlich um Betrüger und Scharlatane.“

Obige Zahlen sprechen für sich. Das verzweifelte Festhalten am Begriff „Virus“ als letzter Versuch zu zeigen, dass eine Plattform frei von Schädlingen ist, erinnert stark an die MacOS-Anhänger, die nicht wahrhaben wollten, dass die Kriminellen jetzt auch hinter ihnen her sind. Wie stehen Sie zur kriminellen Malware für mobile Geräte?

4 – „Achtung! Policy Engines und Tools, die Geräte von der Unternehmens-IT-Abteilung verwalten, sind nicht dasselbe. Manchmal aber sprechen die Marketiers der Hersteller solcher Werkzeuge von ‚Virenschutz‘. Das ist eine Lüge!”

Es herrscht also Einigkeit darüber, dass Sicherheit mobiler Geräte weit über die Bedrohung durch Malware hinausgeht. Natürlich gibt es Datenverlust, Diebstahl, unbefugte Zugriffe, Geräte-Tracking, webbasierte Gefahren über soziale Netzwerke oder Phishing sowie viele andere Bereiche, die bedacht sein wollen. Aber den Nutzern zu empfehlen, von den Anbieter das Streichen von Funktionalität zum Aufspüren bösartiger Software zu verlangen…? Nun, das mag wohl eine Möglichkeit sein, eine Plattform als schädlingsfrei erscheinen zu lassen.

Statt sich zu schämen, zieht der Autor es vor, Schutz gegen eine steigende Bedrohung der persönlichen und geschäftlichen Sicherheit anzubieten.

 

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