Ethische Prinzipien im Untergrund: Die dunkle Seite des Gesetzes

Originalbeitrag von Mayra Rosario Fuentes, Vladimir Kropotov, Fyodor Yarochkin, Trend Micro Research

Andrew Hennessy-Strahs, ESQ Legal Contributor

Einigen unternehmerisch denkenden Anwälten reichen die Möglichkeiten der traditionellen digitalen Anzeigen nicht mehr, daher bewerben sie ihre Dienste in Untergrundmärkten und im Dark Web. Ihre Motive sind unterschiedlich – einige haben möglicherweise ihre Lizenzen verloren und können daher nicht mehr öffentlich praktizieren, andere sind übereifrige Jurastudenten. Und es gibt auch diejenigen, die sich einfach als Rechtsexperten ausgeben, aber keine gültige Ausbildung haben. Und dann sind da noch Anwälte, die einfach nur in einem weiteren Bereich ihr Geld verdienen wollen. Im cyberkriminellen Untergrund können Leute einfach Drogen, gestohlene Datensätze, Malware und anderes kaufen. Daher ist es nicht erstaunlich, dass im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten (heimliches Abziehen von Daten, fälschen von offiziellen Dokumenten oder auch Geldwäsche) juristische Dienstleistung angeboten wird. Doch auch legale Services zum Familien-, Straf-, Immobilien- und Wirtschaftsrecht sind im Angebot und zeigen, dass die Tatsache, dass im Untergrund geworben wird, nicht immer mit illegaler Aktivität gleichzusetzen ist – doch könnte es sich vom ethischen Standpunkt um einen Graubereich handeln.

Trend Micros Untersuchung juristischer Dienstleistung im Untergrund deckt Exchanges in Marktplätzen, das Dark Web und cyberkriminelle Foren in den USA, Russland und Europa über die Zeitspanne von März bis Oktober 2018 ab. Bereits 2013 fanden die Sicherheitsforscher Anzeigen für rechtliche Services im Untergrund (Einzelheiten siehe Originalbeitrag).

Dem Lawyerist-Podcast zufolge verdienen viele junge Anwälte kaum 25.000 Dollar im Jahr und viele haben Probleme neue Mandanten zu finden. Daher suchen sie nach alternativen Lösungen, und Untergrund ist natürlich aufgrund der vorherrschenden kriminellen Aktivitäten eine gute Quelle für neue Mandanten. Auch kann ein Jurist dort Verbindungen auf eine Weise knüpfen, die im traditionellen Internet nicht möglich sind. Auch die Honorare

Können sie Mandanten rechtlich legal vertreten?

Eine Hürde für die Zusammenarbeit mit Mandanten ist die Zuständigkeit. In der Regel müssen sich Anwälte auf die ausschließliche Ausübung des Rechts in der Gerichtsbarkeit beschränken, in der sie zugelassen sind. Über den Untergrundmarkt können sie jedoch die Verbote der Ausübung des Anwaltsberufs ohne Lizenz in ausländischen Gerichten umgehen.

Auch für Interessenten die juristischen Beistand suchen, ist es schwierig, im Untergrund Anwälte zu finden, die in ihrem Zuständigkeitsbereich praktizieren dürfen. Einige der Anzeigen enthalten den Namen, die Kanzlei oder gar vorhandene Lizenzen, aber die meisten sind anonym.

Auch kann es zum Problem werden, dass die Juristen Interessenskonflikte zwischen ihren Mandanten vermeiden müssen. Das bedeutet, dass sie Listen aller ihrer aktuellen und vergangenen Mandanten führen, um zu überprüfen, ob ein solcher Konflikt vorhanden ist. Da jedoch die Klienten im Untergrund anonym bleiben wollen, könnten die Juristen ethische Probleme bekommen, da sie nicht sagen können, ob ihre anonymen Mandanten sich mit anderen in die Quere kommen. Allerdings sind die Regeln für dergleichen Konflikte von Land zu Land verschieden.

Was suchen die Klienten?

Menschen, die diese Art von Diensten im Untergrund suchen, haben wahrscheinlich ihre guten Gründe dafür, etwa die Tatsache, dass kein moralisch einwandfreier Anwalt deren Causa vertreten würden. Oder es könnte eine Frage der Expertise sein – Anwälte, die auf Untergrundmärkten präsent sind, verfügen wahrscheinlich über eine solide Wissensbasis für technische Fragen zu cyberkriminellen Tools oder dem Verkauf von Waren im Dark Web. Schließlich wäre Vertrauen ein weiterer Grund, denn jemand der häufig im Untergrund unterwegs ist, traut wahrscheinlich jemand aus derselben Community eher.

Potenzielle Klienten fragen bei einer Vielzahl von Problemen um Rat, von alltäglichen bis rechtswidrigen. Beispielsweise baten einige um Hilfe im Zusammenhang mit Internetbetrug und Erpressung, andere forderten Rechtsberatung im Zusammenhang mit Bagatelldiebstahl und Alkohol am Steuer. Auch gab es Anfragen dazu, wie man im Internet anonym bleiben kann und wie man sich verhält, wenn man bei illegalen Aktivitäten erwischt wird. Und natürlich wollen sich manche über die Rechtmäßigkeit des Betriebs eines Botnets beraten lassen, über Keylogger, RATs, Bulletproof-Hosting oder Gesetze zu Kryptowährung – allesamt gängige Hacker-Themen im Untergrund.

Bild: Nutzer eines Hack Forums bittet um Hilfe bei der Erstellung von allgemeinen Geschäftsbedingungen

Angebote für juristische Dienste

Die Sicherheitsforscher fanden juristische Diskussionen in englischen, spanischen, deutschen und russischen Foren. Während die meisten englischen Foren in Nicht-Hackerbereichen diese Themen diskutierten, hatten die russischen Foren eigene Bereiche für diese Fragen.

Auch neue Nutzer erkunden diese Optionen in den Foren. Anfang 2018 fragte ein Anwalt die Mitglieder nach Ideen zu rechtlichen Dienstleistungen und Preisen in einem deutschsprachigen Hacking-Forum. Er wurde vorsichtig, als er merkte, dass er „prüfen musste, inwieweit diese Idee umgesetzt werden konnte, um noch legal zu sein“. Der Anwalt stellte seine Anzeigen in diesem Forum ein.

Weitere Einzelheiten zu den unterschiedlichen nationalen Märkten sowie Beispiele von Juristen im Untergrund beinhaltet der Originalbeitrag.

Zukunft des juristischen Markts im Untergrund

Die Gesetzgebung im Zusammenhang mit cyberkriminellen Aktivitäten und der Privatsphäre wird immer strenger, und die Gesetzgeber werden bei der Durchsetzung aggressiver. Hochkarätige Verhaftungen sorgen seit Jahren für Schlagzeilen und zeigen die realen Folgen von cyberkriminellen Operationen. Der zunehmende Druck kann dazu führen, dass Akteure, die illegale Waren und Dienstleistungen in Untergrundmärkten verkaufen, so viel Rechtssicherheit wie möglich erhalten wollen – und Rechtsexperten, die auf diesen Seiten werben, sind ideal dafür geeignet.

Der russische Untergrundmarkt für rechtliche Dienste wird weiter wachsen, und es wird noch mehr dedizierte Foren dafür geben. In den USA ist die Situation etwas anders, denn die Juristenbranche ist strenger geregelt (Einzelheiten im Originalbeitrag). Auch die Bezahlmethoden für diese Dienste können zum Problem werden. In den USA, wo Bitcoins akzeptiert werden, könnte es aufgrund der Schwankungen im Wert zum Interessenskonflikt kommen.

Obwohl es erhebliche Hürden gibt, werden Anwälte wahrscheinlich weiterhin im Untergrund werben. Das Interesse an diesen Themen steigt, und Rechtsexperten werden sich dieser weitgehend ungenutzten Kundenbasis immer mehr bewusst.

„Gäbe es keine schlechten Menschen, gäbe es keine guten Anwälte.

Charles Dickens

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