Facebook Graph Search – Was bedeutet das für uns?

Originalartikel von Rik Ferguson, Director Security Research & Communications EMEA

Quelle: daniellehelm auf flickr

Diese Bilder? Nein, die gehören nicht mir.

Facebook hat mit Graph Search eine eigene Suchfunktion vorgestellt. Damit können Nutzer die Riesendatenmengen, die mit ihnen „geteilt“ werden, abfragen. Bei Facebook heißt „teilen“ natürlich „alles, was ein Nutzer sehen kann“, sei es weil die Infos direkt mit ihm geteilt werden oder lediglich unzureichend geschützt sind –der häufigste Fall. Meistens bekommt ein Nutzer nicht alles von dem zu sehen, was eigentlich für ihn sichtbar sein sollte, denn Facebook entscheidet im Voraus, was einen User interessieren könnte und editiert die Neuigkeiten entsprechend. Somit weiß er gar nicht, was alles vorhanden ist. Mit Graph Search soll sich das ändern.

Abfragen in natürlicher Sprache, wie etwa „Leute, die Lamas mögen und in Kentucky wohnen“ werden sicherlich Dinge finden, die der User ansonsten nie gesehen hätte. Zu den Daten, die ein Nutzer zu sehen bekommt, gehören neben den mit ihm direkt „geteilten“ Informationen auch solche, die von Freunden seiner Freunde „geteilt“ wurden, Informationen die von einem restriktiven Kreis geteilt wurden, zu dem aber einer der Freunde des Nutzer gehört usw. Schlussendlich umfassen Informationen buchstäblich alles, was Facebook-Nutzer in ihren Profilen, Chroniken, Statusaktualisierungen, persönlichen Daten etc., eingegeben haben.

Das aber führt dazu, dass falls ein Facebook-Nutzer ein Foto postet und eine andere Person darauf markiert wird, jeder, der Fotos von der Location sucht, auch den Zusammenhang mit der auf dem Foto markieren Person sehen kann. Ein Beispielszenario: Jemand sieht in einer Bar eine hübsche Frau. Die Facebook-Abfrage „Frauen aus Rothera, die in der Bar Dog & Corset trinken“ könnte zu Informationen über die gewünschte Person führen.

Es gibt die Möglichkeit, persönliche Informationen zu sperren, bevor diese über Graph Search mit anderen geteilt werden. Wer jetzt seine Privatsphäre-Einstellungen überprüft, wird erstaunt feststellen, dass sich das Layout und die vorhandenen Optionen schon wieder geändert haben.

In den Privatsphäre-Einstellungen sollte die Sichtbarkeit künftiger Posts nach eigenen Vorlieben eingeschränkt sein – vorzugsweise auf „Freunde“. Danach können mit dem Aktivitätenprotokoll alle Posts geprüft werden, in denen der Nutzer markiert ist. Nicht erwünschte Markierungen lassen sich löschen.

In dem Abschnitt “Wer kann nach mir suchen?” lässt sich in einem nächsten Schritt prüfen, wie sichtbar die persönlichen Informationen und das Profil sind. Es ist sehr empfehlenswert, lediglich Freunden Einsicht in das eigenen Profil zu gewähren und Suchmaschinen nicht zu erlauben, eine Link zur Chronik zu enthalten!

Unter Chronik und Markierungen lässt sich angeben, wer in der Chronik posten darf. Die Funktion für die Überprüfung der Beiträge, in denen Freunde den Nutzer markieren, sollte eingeschaltet sein. Trotzdem werden diese Posts auch anderswo auftauchen, ob man diese in der eigenen Chronik erlaubt oder nicht. Im Abschnitt Wer kann Dinge in meiner Chronik sehen? gibt es eine Reihe kritischer Optionen, die erst auf den zweiten Blick sichtbar sind. In Wer kann Beiträge, in denen du markiert wurdest, in deiner Chronik sehen? lässt sich unter Bearbeiten nicht nur Freunde angeben, sondern detaillierter bestimmen, welche Freunde das sind.

Am wichtigsten vielleicht ist Wer kann sehen, was andere in deiner Chronik posten?. Standardmäßig steht dies auf Alle. Die Option sollte ausgeschaltet sein. Schließlich gibt es noch die etwas unklare Frage Wen möchtest du zu dem Publikum hinzufügen, der noch nicht Teil davon ist, wenn du in einem Beitrag marktiert wirst? Antwort: Nur ich.

Facebook will mit der neuen Funktionalität natürlich dem User lediglich dabei helfen, die Dinge zu finden, die er wirklich sucht. Doch manchmal sind diese Dinge nicht dieselben, die ein Nutzer über sich preisgeben will.

Ein Gedanke zu „Facebook Graph Search – Was bedeutet das für uns?

  1. Malte Landwehr

    Sehr gute Tipps für Anwender, die Wert auf Datenschutz legen. Aber zu deinem Beispiel „Frauen aus Rothera, die in der Bar Dog & Corset trinken“. Das klappt nur, wenn diese Frau die entsprechenden Informationen auch öffentlich teilt. Und zum Beispiel CheckIns sollte man nie öffentlich sichtbar machen, da das Einbruch 2.0 im Eigenheim Tür und Tor öffnet.
    Und falls die Frau bereits unter Freunde von Freunden ist, wird es sie kaum stören, dass ich sie identifizieren kann.

    Bedenklicher wird es, wenn ein großer App-Anbieter alle Daten über seine Nutzer aus der Facebook-API zieht und dann mit Bilderkennung kombiniert. Apps mit vielen Nutzern (und gierigen Datenberechtigungen) könnten so relativ viele Menschen identifizieren.

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