Familienbild mit Cyberkriminellen

Die Sicherheitsforscher bei Trend Micro haben festgestellt, dass die öffentliche Wahrnehmung bezüglich der wahren „Gestalt“ der Cybercrime immer noch nicht richtig ist: Auf die Frage, wie denn ein Hacker aussieht, antworteten 15 Prozent der Briten „wie ein Fachidiot mit Brille“. Tatsächlich aber sind diese Kriminellen keine Kerle mit Gewehren und Stiernacken und auch keine digitalen Witzbolde oder Geeks mit fettigen Haaren. Es ist unmöglich, sie zu erkennen, denn die meisten sehen aus wie jedermann.

Rik Ferguson, Senior Security Advisor bei Trend Micro, untersucht seit Jahren die Welt der Cyberkriminalität und hat ein Profil erstellt, das zu einem besseren Verständnis der Cyberbanden und ihrer Aktivitäten beitragen soll.

“Leider bleibt die Schattenwelt der Online-Kriminalität allzu oft unbemerkt”, beklagt er. „Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, dass ihre Identität einen reellen finanziellen Wert hat. Persönliche Details werden zu unglaublich niedrigen Preisen verkauft, dennoch macht die gesamte Schattenwirtschaft einen riesigen Umsatz.“ Zwar drängen immer mehr Amateure und Stümper in dieses für sie vermeintlich gute Geschäft, doch die wahre Gefahr, so Ferguson, kommt von den gut organisierten kriminellen Banden. Nachfolgend ein paar wichtige Fragen, um sich ein Bild von diesen Gangs machen zu können:

Woher kommen sie? Überall in der Welt gibt einige mächtige Cyberbanden. Russland, die Ukraine und China sind als Heimat für Hacker und Cyberkriminelle wohlbekannt, aber auch andere Länder wie die Türkei, Brasiline und Estland stehen weit oben auf der Liste.

Was tun sie? Jede Bande hat unterschiedliches Fähigkeiten. Die technisch am versiertesten schreiben clevere Software, andere sind auf den Verkauf dieser kriminellen Programme oder von persönlichen Informationen spezialisiert und wieder andere bieten Dienstleistung wie Spam-Verteilung oder den Aufbau ausgeklügelter Botnetze an. Cybergangs betreiben ein ernstes Geschäft, koordiniert und kooperativ, mit dem alleinigen Ziel des Profits.

Wieviel verdienen sie? Verschiedene Gruppen haben unterschiedliche Umsätze, je nach dem Risiko, das sie auf sich nehmen. Die Programmierer verkaufen ihren Code für 200 bis 300 Pfund (am teuersten ist wohl die ZeuS-Lizenz mit etwa 6.500 Pfund). Es heißt, ein ZeuS-Programmierer verdient mehr als eine halbe Million Pfund im Jahr! Botnet-Betreiber können sogar mit mehr rechnen, abhängig davon, wie erfolgreich sie bei der Infektion von Computern und dem Verkauf ihrer Dienste an andere sind.

Wieviele Mitglieder hat eine Gang? Ein hoher Anteil der Arbeit wird nach außen gegeben, sodass jede Organisation das tut, was sie am besten kann und für alles andere weitere Kriminelle bezahlt. Diese Aufteilung führt zu einem sehr komplexen Geschäftsmodell, in dem einige Teams für das Codieren, andere für die Suche nach Schwachstellen und wieder andere für die Verwaltung der Botnetze und Datamining zuständig sind. Schließlich wird ein weiteres Team den Identitätsdiebstahl durchführen. Die durchschnittliche Größe eines Teams kann zwischen einem und fünf Mitgliedern liegen.

Wie spüren wir sie auf? Viele Sicherheitsanbieter können bösartige Dateien erkennen, doch ein Cyber-Verbrechen umfasst eine Menge Beteiligte und vielfache Interessen. Dies aber bedeutet, dass das Aufspüren einer bösartigen Datei allein noch nicht ausreicht, um die Komplexität einer solchen Untat zu entschlüsseln. Dazu muss das große Ganze bearbeitet werden, um die komplexen Geschäftsbeziehungen zu verstehen und ganze Malware-Familien zu erkennen, statt lediglich einzelne Dateien. Auch sollte man in Betracht ziehen, dass jede Bedrohung auf mehreren verschiedenen Schichten arbeitet: eine Mail, die einen Link auf eine bösartige Website enthält, die eine Schwachstelle auf einem Computer ausnützt und einen Trojaner herunterlädt, der wiederum nach Hause telefoniert, um sich weitere Befehle abzuholen. Trend Micro konzentriert sich auf die Gesamtsicht einer Bedrohung und setzt die Informationen über diese verschiedenen Schichten miteinander in Beziehung.

Wann greift die Polizei ein? Normalerweise, wenn es genügend Beweise dafür gibt, dass eine einzelne Einheit hinter der Aktivität steckt. Heutzutage gibt es so viele Cybergangs, dass die Polizei eigene Abteilungen für Internetkriminalität unterhält. Da diese Verbrechen weltweit ausgeführt werden, besteht der einzig gangbare Weg darin, die Zusammenarbeit zwischen den Polizeibehörden der verschiedenen Länder und Kontinente zu verstärken.

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