FuTuRology: Neue Technologie im Gesundheitswesen ist besonders zu schützen

Originalbeitrag von David Sancho, Senior Threat Researcher


Im Rahmen des FuTuRology-Projekts untersucht das Trend Micro Forward-Looking Threat Research (FTR)-Team die Zukunft bekannter Technologien. Für den Anfang beschäftigen sich die Experten mit dem Gesundheitswesen und zeichneten ein Bild der Branche in ein paar Jahren mit Wearables und smarten medizinischen Geräten. Doch gibt es auch andere Technologien, die die Zukunft der Medizinbranche beeinflussen werden.

  • 3D-Scanning und -Drucken: Diese Technik verbreitet sich schnell, denn Hardware wird immer billiger. Es wird der Tag kommen, an dem das Scanning von Gliedmaßen und des Körpers allgemein so genau ist, dass Ärzte in der Lage sein könnten, persönliche Prothetik in 3D zu drucken, von Gipsabdrücken bis zu permanenten Prothesen. Es geht um das Aufkommen individualisierter Bionik in Massenfertigung. Sollte 3D-Scanning sich weiter verbreiten, so könnten die gescannten Dateien zum Ziel von Erpressern werden, genauso wie es heute die 2D-Fotos sind.
  • Lab-on-a-Chip Medikamente:
    Vorstellbar sind auch so genannte “winzige Labore” oder Lab-on-a-Chip-Medikamente. Dabei handelt es sich um Tabletten, die automatisch in der richtigen Dosierung geliefert werden auf der Grundlage von Körperparametern, die von einem externen Sensor oder einem cloud-basierten Algorithmus stammen. Unterschiedliche Zusammensetzungen und die Dosierung von Medikamenten birgt technische Probleme. Doch sobald diese gelöst sind und es entsprechende Geräte gibt, könnte sich ein Angreifer diese Parameter beschaffen – und das wäre fatal. Auch die Verzögerung der Auslieferung wäre bereits schlimm genug. Es könnte zur Ransomware der Zukunft werden – zahlen oder sterben.
  • Smarte Bekleidung: Es geht nicht um T-Shirts mit Fitness-Sensoren oder Ähnlichem. Vorstellbar sind etwa Außenskelette. Gemeint sind künftige Geräte, die Behinderten dabei helfen, sich zu bewegen. Servo-Motoren könnten Personen mit Muskelschwund oder Lähmungen bei physischen Aktivitäten unterstützen. Die Technik wurde bereits für militärische Zwecke erforscht, damit Personen etwa schwerere Last tragen können. Mit der Weiterentwicklung und den sinkenden Kosten der 3D-Scanner und -Drucker könnten sie auch mehr im therapeutischen Bereich für verschiedene Krankheiten eingesetzt werden. Auch Extremsportler könnten smarte Bekleidung zu ihrem Schutz nutzen.
  • Robotergestützte Pflege: Auch die Pflege älterer oder kranker Menschen mithilfe von Robotern wird zunehmen. Medizinische Ausrüstung wird immer mehr durch Robotertechnik unterstützt, denn die dadurch erreichte Produktivität rechtfertigt die Investition. Damit ist Tür und Tor offen für robotergestützte Chirurgie für die hochautomatisierten Operationen, wo der Chirurg genaue Anleitungen geben kann und die Maschine sie exakt nach Programm ausführt. Theoretisch könnte ein Hacker auf den Roboter zugreifen und damit physischen Schaden anrichten, doch ist es in der Praxis unwahrscheinlich, dass so etwas passiert. Statt soviel Arbeit zu investieren, um ins Netzwerk zu gelangen, mit Reverse Engineering Firmware zu knacken und den Roboter zu kontrollieren, ist es einfacher, Schaden über traditionelle wirklichkeitsnahe Mittel zu verursachen. Hier kommt das Hacking des IoT (Internet of Things) oder von mit dem Internet verbundenen Geräten ins Spiel – denn alles, was eine Online-Verbindung hat, kann auch angegriffen werden. Auch hier hängt die Wahrscheinlichkeit, zum Ziel eines Angriffs zu werden, von der Art des Geräts ab. So bedarf ein mit dem Internet verbundenes Fahrzeug eines stärkeren Schutzes als ein Toaster. Dasselbe gilt für medizinische Geräte, die physische oder direkte Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben.
  • Datenvisualisierung und Analyse: Infolge der letzten Entwicklungen auf diesem Gebiet, können Ärzte 3D Scans aus einem Magnetic Resonance Imaging (MRI) oder einem CT über Augmented Reality visualieren, indem AR über die Patientendaten gelegt wird. Visualisierungstechnik ähnlich dem Oculus Rift lässt sich dazu nutzen, um das Innere eines Patienten zu sehen, und damit eine genauere Diagnose stellen zu können.

Es ist klar, dass der aktuelle Stand und die Entwicklung der Technologie auf allen Gebieten neue „Spielzeuge“ hervorbringen. Das Gesundheitswesen bildet hier keine Ausnahme. Doch sind hier die Risiken für Angriffe höher und auch die Gefahren. Deshalb müssen bereits die Entwickler ein bestimmtes Sicherheitsniveau einbauen, um zufällige oder versehentliche Vorfälle auszuschließen.

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