Instagram will alle Rechte an den eingestellten Inhalten

Originalartikel Rik Ferguson, Director Security Research & Communications EMEA

Nutzer reagieren auf die Änderungen

Vor gerade mal zwei Jahren, im Mai 2010, hatte Mark Zuckerberg die damals paar tausend Nutzer von Facebook als „Dumpfbacken“ bezeichnet, weil sie ihm ihre Daten anvertrauten. Vielleicht hofft Instagram als Teil von Facebook auf das gleiche Vertrauen.

Der Foto-Dienst hat jedenfalls Änderungen in der „Privatsphäre“ und in den „Nutzungsbedingungen“ angekündigt, die grundsätzlich dem Service das Recht einräumen, jedes Foto, das von jeglichem Nutzer für jeglichen Zweck veröffentlicht wird, zu teilen. Instagram behält sich das Recht vor, finanziell vom Verkauf solcher Fotos zu profitieren, und macht zudem deutlich, dass der Autor der Bilder dabei keine Vergütung irgendeiner Art erhält. Darüber hinaus stellt der Dienst klar, dass er keinerlei Verpflichtung zur Vertraulichkeit des dort eingestellten Inhalts übernimmt.

Laut Vereinbarung hält Instagram “eine nicht-exklusive, kostenlose, weltweite, limitierte Lizenz für den Inhalt und darf ihn verwenden, modifizieren, löschen, hinzufügen, öffentlich darstellen, reproduzieren und übersetzen, einschließlich unlimitiert Teile oder ganze Inhalte in jeglichem Format über alle Medienkanäle verteilen.“ (Übersetzung durch die Redaktion)

In den ursprünglichen Nutzungsbedingungen endete dieser Absatz mit dem Zusatz, “ausgenommen von der Verteilung außerhalb der Instagram Services sind Inhalte, die nicht öffentlich gemacht wurden (“private”)“. Dieser Satz ist nicht mehr vorhanden.

Weiter geht es mit der Aussage: „Sie stimmen zu, dass ein Unternehmen oder eine andere Organisation uns dafür bezahlen, dass wir Ihren Nutzernamen, Abbild, Fotos (zusammen mit allen Metadaten) und/oder von Ihnen unternommene Aktionen im Zusammenhang mit bezahlten oder gesponserten Inhalten ohne Vergütung für Sie veröffentlichen.“

Um sicherzustellen, dass auch alle minderjährigen Nutzer eingeschlossen sind, folgt der Zusatz: „Für den Fall, dass Sie noch unter 18 Jahre alt sind oder gesetzlich als minderjährig gelten, erklären Sie, dass Ihre Eltern oder Ihr Vormund dieser Vereinbarung zugestimmt hat.“

Und schließlich folgt nochmals mit Nachdruck: „Für keinen Ihrer Inhalte übernehmen wir die Verpflichtung zur Vertraulichkeit. Instagram ist nicht verantwortlich für die Nutzung oder Veröffentlichung der Inhalte, die Sie liefern.“

Wer nach dem 16. Januar 2013 den Dienst nutzt, unterliegt diesen Vereinbarungen. Der Autor hat seine Bilder alle gelöscht und sein Konto geschlossen. Dies ist die einzig adäquate Antwort auf inakzeptable Nutzungsbedingungen, die ein Dienst aufstellt. Dem Wirbel um InstaSpam nach zu urteilen, werden wohl weitere Nutzer dem Beispiel folgen.

Es ist unbestritten, dass Facebook eine kritische Masse erreicht hat, die dem Netzwerk nahezu alles erlaubt, auch das Streichen des Rechts zur Abstimmung. Instagram hingegen kann sich das nicht leisten.

Update: Heftige Kritik an den Änderungen lässt Instagram zurückrudern. „Wir haben nicht die Absicht, Ihre Fotos zu verkaufen“, zitiert Spiegel Online den Fotodienst.

Update vom 19.12., 16h35:

Kommentar von Udo Schneider, Solution Architect EMEA:

Auch in diesem Fall gilt: Wer kostenlose Cloud-Dienste in Anspruch nimmt, sollte sich nicht wundern, wenn er mit seinen Daten oder in diesem Fall mit seinen Bildern dafür zahlen muss. Denn die Nutzer sind die Waren, nicht die Kunden dieser Anbieter – das sind die Werbetreibenden. Wer keine Ware sein will, sollte sich keine falschen Bilder und Vorstellungen mehr vom „guten“ Web machen und den Anbieter wechseln. War es nicht Mark Zuckerberg, der seine ersten Kunden „Dumpfbacken“ genannt hat?

 

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