Panzerknacker 2.0

Wenn Offline-Kriminelle online gehen – Ein Kommentar von Rik Ferguson, Director Security Research & Communication EMEA

Online- und Offline-Verbrechen finden zueinander. Klingt fast romantisch, ist in Wahrheit aber erschreckend – und leider wahr. Bekanntschaften über Facebook zu knüpfen, ist ja heute nichts Besonderes mehr. In Belgien ist der Manager eines Supermarkts dieser Art von Beziehungsanbahnung nun aber zum Opfer gefallen. Statt eines trauten Stelldicheins erwartete ihn eine Bande, die mit den erbeuteten Schlüsseln den Safe des Supermarkts ausraubten.

Soziale Netzwerke sind eine wunderbare Sache, um Freundschaften zu pflegen. Leider verführen die Online-Welt und ihre vermeintliche Anonymität zu einem leichtsinnigen Umgang mit persönlichen Informationen und Bekanntschaften. Während die einen praktisch ihr ganzes Leben in ihren Profilen preisgeben, missbrauchen die Kriminellen die öffentlich zugänglichen Angaben für ihre Machenschaften. Statt einer Räubermaske tarnten sie sich in diesem Fall mit einem gefälschten Facebook-Profil. Was dann passierte, liest sich wie das Drehbuch eines Vorabendkrimis: Als junge Frau „verkleidet“ suchten sie den Kontakt zu dem Manager – mit Erfolg: Schon nach kurzer Zeit kam es zu einer Verabredung zu einem Abendessen. Am vereinbarten Treffpunkt wurde der Manager jedoch nicht mit Zuneigung überhäuft, sondern überfallen. Einer der Räuber nahm dem Gefesselten die Schlüssel zur Wohnung ab, wo er die Schlüssel zum Supermarkt fand, während ein Komplize den Wehrlosen bewachte. Kurze Zeit später räumte der dritte Gangster den Supermarktsafe leer.


Einer der mutmaßlichen Kriminellen, von einer Überwachungskamera aufgenommen

Und die Moral von der Geschicht‘: Soziale Netzwerke scheinen die Welt auf den Kopf zu stellen. Ausgerechnet in der Online-Welt, wo das Gegenüber einen nur das sehen lassen kann, was er oder sie sehen lassen will, herrscht eine Gutgläubigkeit vor, die wir in der realen Welt so nicht walten lassen würden. Doch auch für die Gangster – zumindest in diesem Fall – scheinen die Grenzen zwischen Online- und Offline-Welt zu zerfließen: Denn zwei der Räuber wurden auf ihrem Beutezug gefilmt – ohne Maske. Wären Gangster früher wirklich so unvorsichtig gewesen?

Die belgische Polizei hat jedenfalls die Videos von den beiden gefilmten mutmaßlichen Kriminellen hier veröffentlicht und nimmt sachdienliche Hinweise entgegen – per Telefon oder Online (!)-Formular…Es findet sich hier.

Ein Gedanke zu „Panzerknacker 2.0

  1. Cargo

    So „schön“ die Idee von den Kriminellen auch war, sich dann aber von einer Überwachungskamera filmen zu lassen, ist schon sau blöd. Gerade aber der Lockvogel mit dem „hübschen“ Mädchen ist ein Klassiker, komisch das trotzdem zumeinst die Männer immer wieder darauf reinfallen.

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