Schließung von Liberty Reserve – Cyberkriminelle reagieren genervt

Originalartikel von Jonathan Leopando (Technical Communications)

In der vergangenen Woche hat die US-Regierung Liberty Reserve geschlossen, einen digitalen Währungsservice, der von Costa Rica aus operiert hat. Der Gründer Arthur Budovsky wurde am Madrider Flughafen verhaftet, von wo aus er nach Costa Rica zurückkehren wollte. Weitere Festnahmen fanden in Spanien, Costa Rica und den Vereinigten Staaten statt. Dem Unternehmen wird das Waschen von über sechs Milliarden Dollar an illegalen Geldern vorgeworfen. Der Service hatte weltweit über eine Million Nutzer, davon 200.000 in den USA. Auf der Website des Unternehmens wird jetzt die Nachricht angezeigt, dass diese von US-amerikanischen Ermittlungsbehörden beschlagnahmt wurde.

Liberty Reserve war über einen langen Zeitraum für Cyberkriminelle ein beliebtes Mittel, Geld auf sicherem Wege und das heißt ohne das Risiko, die eigene Identität preisgeben zu müssen, zu bewegen. Wie nehmen Online-Gangster also die Schließung von Liberty Reserve auf?

Mit einem Wort: Sehr schlecht. Sie verloren dadurch nicht nur den Zugang zu Liberty Reserve, so dass finanzielle Transaktionen im Untergrund schwieriger werden, sondern auch Gelder. Zahlreiche Cyberkriminelle behaupten, sie verlören Tausende von Dollar, wenn nicht mehr. Wir sahen sogar einen Eintrag, in dem von einem Verlust von 300.000 US-Dollar die Rede war. Freilich sind die Nennungen von großen Summen mit Vorsicht zu genießen. Dennoch dürfte zweifelsfrei feststehen, dass viele Online-Gangster aufgrund der Schließung von Liberty Reserve Geld verloren haben. Demgegenüber mutet es etwas amüsant an, dass einige Cyberkriminelle den ganzen Vorgang abstreiten und behaupten, der Service werde mit verbesserter Sicherheit ab dem ersten Juni wieder funktionieren. Es ist offenkundig, dass dies nicht der Fall ist.

Wie werden die Cyberkriminellen Liberty Reserve ersetzen? Selbst in den Untergrundforen findet sich darauf noch keine eindeutige Antwort. Sowohl Gold als auch Bitcoins werden als möglicher Ersatz genannt. Auch andere digitale Währungsdienste wie PerfectMoney werden erwähnt. Gleichzeitig schließen einige dieser Alternativdienste Nutzer aus den USA aus, eventuell um sich selbst vor dem US-amerikanischen Recht zu schützen.

Kurzfristig dürften wir einen Anstieg von Online-Diebstählen sehen, denn die Cyberkriminellen dürften versuchen, sich das verlorene Geld wieder zu beschaffen. Auf lange Sicht aber könnte die Sache für Cyberkriminelle tatsächlich sehr kompliziert werden, falls auch andere digitale Währungen ins Visier der Gesetzeshüter geraten.

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