Sony, Anonymous und das PSN

Originalartikel von Rik Ferguson (Director of Security Research & Communication, Trend Micro)

Auch am fünften Tag der Serviceunterbrechung von PSN, dem Gaming-Netzwerk der Sony Playstation, hüllt sich das Mutterunternehmen zu den Gründen des Ausfalls in Schweigen.
 
In seinem neuesten Blog-Beitrag vom 25. April ließ Patrick Seybold, Senior Director für Unternehmenskommunikation und Soziale Medien bei Sony, lediglich verlauten: „Ich weiß, dass Sie auf weitere Informationen darüber warten, wann das Play Station Network und QRiocity wieder verfügbar sind. Leider kann ich dazu im Moment keine entsprechenden Schätzungen abgeben.
 
Im Mittelpunkt der zahlreichen Spekulationen über das Wie und Warum des „Eindringlings“ steht Anonymous. Am 3. April hatte das „lose Online-Kollektiv“ (wie ich diesen Begriff verabscheue) OpSony gegründet, und zwar als Reaktion auf das gerichtliche Vorgehen von Sony gegen die beiden Hacker GeoHot und Graf_Chokolo. Diese hatten Tools veröffentlicht, mit denen man sich in die beliebte Spielekonsole hacken und dann Funktionen hinzufügen oder entfernen konnte. Laut Anonymous hält Sony die von den beiden Hackern veröffentlichten Informationen zurück. Der Grund? „Unternehmerische Gier und der Wunsch, die Benutzer völlig unter Kontrolle zu halten“. Neben den rechtlichen Schritten, die Sony gegen die beiden Hacker eingeleitet hat, verlangt das Unternehmen angeblich von Sozialen Medien, wie beispielsweise YouTube, ihm die IP-Adressen sämtlicher Nutzer zu melden, die die Posts von GeoHost abrufen. Außerdem berichtet Anonymous, dass die Offenlegung der IP-Adressen sämtlicher geohot.com-Besucher rechtlich genehmigt wurde.
 
Am 6. April wurde in den aktuellen Kommentaren auf der OpSony-Seite ein erstes Netzwerkdiagramm von Sonys Internet-Präsenz veröffentlicht, zusammen mit einem Aufruf nach weiteren Informationen. Noch am selben Tag beschwerten sich erste PSN-Benutzer im selben Thread über Probleme beim Zugriff auf Online-Spiele.
Laut aktuellen Berichten im Internet ist nach wie vor unklar, wer hinter dem Angriff auf Sony steckt, doch in einem undatierten Beitrag scheint Anonymous – zumindest indirekt – die Verantwortung für den Vorfall zu übernehmen.

Sony hat noch nicht bekannt gegeben, welche Angriffsmethode verwendet wurde. Das PSN ist zurzeit offline, um „die Netzwerkinfrastruktur zu verstärken“.
 
Wie auch immer Sie zum Verstoß gegen Endbenutzer-Lizenzverträge und Urheberrechte stehen: Unbestreitbar haben die Aktivitäten, die der Grund für diese lange Ausfallzeit sind, zu extremem Unmut gegenüber Anonymous geführt. Ein Kommentator schreibt sogar:

Der Tag, an dem das Anonymous-Kollektiv so weit sank wie die Leute, gegen die es sich auflehnt.

Unübersehbar hier die Ironie, Millionen von Menschen im Namen der Informationsfreiheit den Zugriff auf Services und Informationen zu verweigern.
 
Gekrönt wird das Ganze noch durch die Tatsache, dass der Beitrag am Tag des Geistigen Eigentums veröffentlicht wurde.

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