Das Eigentum an den eigenen Daten ist ein Menschenrecht

von Richard Werner, Business Consultant


Es sind nur noch wenige Tage bis zum Stichtag (25.05.) zum Inkrafttretens der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Viel ist in den vergangenen Wochen über das Thema gesagt worden und fast genauso viel dagegen. Das zeigt schon, dass es um ein Thema geht, das vielen Menschen am Herzen liegt – eigentlich uns allen. Hierzulande gibt es deshalb auch relativ wenig Stimmen, die die Verordnung grundsätzlich in Frage stellen. Sicherlich ist nicht jede Regelung transparent und gern gesehen. Allerdings erkennen in Europa die meisten das Recht, über seine Daten zu bestimmen, als Menschenrecht an. Das scheint jedoch nicht für alle außereuropäischen Unternehmen zu gelten. Deshalb ist es an der Zeit zu sehen, wie die Diskussion dort gesehen wird, auch angesichts der Tatsache, dass es bereits Ideen gibt, Europäer auf bestimmten Websites zu blocken.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – dem Internet – gibt es wenig bis gar keine internationalen Regeln. In vielen Dingen gilt das Gesetz des Stärkeren, und ausnahmsweise drückt sich Stärke hier nicht in physischer Gewalt sondern in Qualität und Menge der besessenen Informationen aus. Daten werden nicht zufällig als das „schwarze Gold“ des Internetzeitalters bezeichnet. Spätestens seit der TV-Serie „Dallas“ kann man sich eine ungefähre Vorstellung davon machen, wie sehr Menschen, die nach Reichtum durch Gold oder Öl streben, die Bedürfnisse anderer berücksichtigen.

In diese Goldgräberstimmung platzte nun die EU Datenschutzgrundverordnung. Hier, wo jeder völlig frei den eigenen Claim absteckte, sollen nun plötzlich Verordnungen gelten, die nicht etwa von der eigenen Regierung kommen, sondern aus der „alten“ Welt. Gerade zu Beginn der DSGVO Diskussion waren deshalb viele nichteuropäische Unternehmen sehr skeptisch, ob diese Verordnung überhaupt sinnvoll sei oder auf sie zutreffe. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Gegenmaßnahmen entwickelt wurden.

Beispielsweise kam die Idee auf, einfach alle Europäer von der firmeneigenen Website fernzuhalten, um mit der DSGVO nichts zu tun haben zu müssen. Auf den ersten Blick mag dies verlockend klingen, aber die Idee geht völlig am Thema vorbei. Denn die eigentliche Diskussion dreht sich darum, ob das Eigentum an den vom Benutzer auf der Website eingegebenen Daten auf deren Besitzer übergeht und der damit tun kann, was er will, oder ob die Rechte daran bei der Person verbleiben, zu der diese Daten gehören.

Die Problematik des Themas wird sehr gut durch die Affäre um Facebook und Cambridge Analytics veranschaulicht. Cambridge Analytics gelangte -auf welchem Wege auch immer — an Facebook-Daten, die dann zu Zwecken verwendet wurden, die den Eigentümern dieser Daten nicht bekannt waren. An den Pranger stellte man dafür Facebook – den Besitzer der Daten – nicht Cambridge Analytics. Die Frage an Facebook lautete, wie es sein könne, dass Nutzerdaten ohne deren Einverständnis für fragwürdige Praktiken verwendet wurden. Dies passierte in Amerika wohlgemerkt! Aber es widerspiegelt sich darin genauso der Geist und Sinn der DSGVO. Die EU hätte genau die gleichen Fragen gestellt und die Möglichkeit einer sehr hohen Strafforderung gehabt.

Die Konsequenz aus dieser Affäre ist – interessant. Für viele amerikanische Unternehmen ist die Diskussion um diesen Skandal ein Augenöffner gewesen. Es ist eben nicht so, dass Amerikaner mit ihren Daten alles geschehen lassen, was sich Unternehmen ausdenken. Sie möchten genauso gefragt und informiert werden.

Fazit

Kaum vorstellbar also, dass ein Datenskandal auf die EU beschränkt bleibt! Andere Länder werden vielleicht mit ähnlichen Verordnungen nachziehen oder stillschweigend akzeptieren, dass die Daten ihrer Bürger missbraucht werden. Denn es sollte nicht vergessen werden, dass die EU als Staatengebilde aufgrund ihrer Größe und vor allem ihrer interessanten Märkte auch internationale Firmen dazu zwingt, sich an die Regelung zu halten. Zumindest für EU Bürger – wie gesagt.

Und weiter: Blockt man Europäer oder behandelt die einen DSGVO-konform und andere nicht, wirft das Fragen nach dem Warum auf. Ist das Eigentum an den privaten Daten nun ein Menschenrecht, das für alle gilt, oder nicht?

Wenn ein Unternehmen das Eigentum an Daten als Menschenrecht betrachtet, dann hilft die DSGVO dies einzuführen und für alle verfügbar zu machen. Die Herkunft der Person spielt dann keine Rolle. Die EU kann nur ihre Bürger schützen, und wird das hoffentlich auch tun. Die Menschen anderer Länder können selber entscheiden, wie sie damit umgehen!

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