Untersuchung: Fehlkonfigurationen als größtes Risiko für den sicheren Cloud-Betrieb

Originalbeitrag von Morton Swimmer, Fyodor Yarochkin, Joey Costoya, Roel Reyes, Trend Micro Research

Bis 2021 werden über 75 Prozent der mittleren und großen Unternehmen eine Multi-Cloud- oder Hybrid-IT-Strategie einführen, so die Prognose der Marktforscher von Gartner. Mit zunehmender Verbreitung von Cloud-Plattformen aber sehen sich IT- und DevOps-Teams auch mit zusätzlichen Risiken und Unsicherheiten in Bezug auf die Sicherung ihrer Cloud-Instanzen konfrontiert. Es gibt viele Faktoren, die zur Gefährdung von Workloads und Anwendungen führen können, einschließlich von Fehlkonfigurationen, unsachgemäßem Einsatz von Technologie, mangelnder Erfahrung im Betrieb und in der Sicherung von Cloud-Systemen oder auch nur ein bloßes Versehen seitens der Entwickler oder Cloud-Ingenieure. Außerdem sind die Komponenten von Cloud-Systemen auf vielfältige Weise miteinander verbunden, so dass potenzielle Angriffsvektoren schwer nachzuvollziehen sind.

Im Rahmen der Untersuchung „Untangling the Web of Cloud Security Threats“ fand Trend Micro Bedrohungen und Sicherheitslücken in mehreren Schlüsselbereichen des Cloud-Computings. Der Bericht bestätigt erneut, dass Fehlkonfigurationen die Hauptursache für Sicherheitsrisiken in der Cloud sind. So identifiziert die Sicherheitsplattform Trend Micro Cloud One – Conformity durchschnittlich 230 Millionen Fehlkonfigurationen pro Tag. Die Zahl verdeutlicht, wie weit verbreitet dieses Problem ist.

„World-Write“ für Amazon S3 Buckets

Amazon Web Services (AWS) hat sich zu einem der wichtigsten Anbieter für Cloud-Infrastruktur entwickelt. Dabei ist Amazon Simple Storage Service (Amazon S3) wahrscheinlich das am weitesten verbreitete Produkt.

Die Untersuchung hat ergeben, dass eines der häufigsten Risiken darin besteht, dass Anwender Amazon S3 Buckets mit dem Recht „World-Write“ konfigurieren – ein Fehler, der nicht autorisierten Nutzern Schreibprivilegien für das Bucket zugesteht. Telemetriedaten aus dem Trend MicroTM Smart Protection NetworkTM zeigten auch, dass während des gesamten Jahres 2019 Angriffe auf Websites mit „World-Write“-Rechten für die Buckets erfolgten –einige mit dem Einschleusen bösartigen Codes und Datendiebstahl aus Website-Formularen.

Des Weiteren stießen die Forscher auf als bösartig eingestufte Dateien, die in Amazon S3-Buckets gehostet wurden. Viele von ihnen verwenden das alte Adressierungsschema, dem zufolge der Bucket einen generischen Amazon S3-Hostnamen verwendet, im Gegensatz zum virtuell gehosteten Schema, bei dem der Name des Buckets im Hostnamen enthalten ist. Dies stellt Sicherheitsfilter vor Probleme, denn das Blockieren des Hostnamens einer bösartigen Website mit altem Adressierungsschema führt unweigerlich dazu, dass auch andere nicht bösartige Websites blockiert werden.

Containertechnologie ist ein weiterer sehr erfolgreicher Bereich im Cloud-Computing der letzten Jahre. Software wie Docker, Kubernetes und AWS Lambda haben die Containertechnologie vorangebracht, denn sie bieten leichtgewichtige und effiziente Cloud-Bereitstellungsmöglichkeiten. Doch auch hier kommt es häufig zu Ausfällen oder Fehlern bei der Konfiguration, so dass Systeme der Gefahr von Angriffen ausgesetzt sind, die sich diese Fehlkonfigurationen zunutze machen. Einzelheiten zu den Risiken der jeweiligen Container beschreibt der Originalbeitrag.

Unsachgemäßes Credential-Management

Die Verwendung von Credentials ist einer der wichtigsten Aspekte des Cloud Computing, wenn auch oft vernachlässigt. Da sich ein Cloud-System nicht wie ein Rechenzentrum physisch absichern lässt, ist der Bedarf an starker Credential-Sicherheit noch deutlicher. Eine Herausforderung bei der Sicherung von Credentials besteht darin, dass viele Prozesse auf Daten und andere Ressourcen zugreifen müssen, die eine Authentifizierung erfordern. Dies bedeutet, dass Benutzer sowohl die Daten als auch die Credentials vor unbefugtem Zugriff schützen müssen.

Programmierer machen häufig den Fehler, ihre Zugangsinformationen unbeabsichtigt in öffentlichen Repositories wie GitHub zu publizieren. Vertrauliche Daten wie API-Schlüssel sind manchmal in Codeteilen online zu finden und können dann von einem Angreifer dazu verwendet werden, um das Account, zu dem die Credentials gehören, zu übernehmen. Er kann dann wiederum den kompromittierten Account für eine Reihe bösartiger Zwecke einsetzen, so etwa den Diebstahl von Kundendaten, die er schließlich im Untergrund verkauft.

Ein weiteres Problem ist, dass viele unerfahrene Programmierer oft irreführende Cloud-Tutorials befolgen, die die harte Kodierung von Anmeldedaten im Code selbst propagieren. Dies aber wird zu einem Risiko, sobald der Code in einem Repository veröffentlicht wird, wo er für jedermann zugänglich ist.

Empfehlungen

IT-Mitarbeiter können die Vorteile von Cloud-nativen Tools nutzen, um diese Risiken zu minimieren. Sie sollten sich laut des Berichts aber nicht ausschließlich auf diese Werkzeuge verlassen.

Trend Micro empfiehlt verschiedene Best Practices, um Cloud-Instanzen abzusichern:

  • Umsetzung des „Least-Privilege-Prinzips“: Beschränkung des Zugangs auf diejenigen, die ihn benötigen.
  • Das Modell der geteilten Verantwortung verstehen: Obwohl Cloud-Anbieter über eigene Sicherheitsmaßnahmen verfügen, sind Kunden für die Sicherung ihrer Daten selbst verantwortlich.
  • Prüfen von falsch konfigurierten und ungeschützten Systemen: Tools wie Conformity können schnell und einfach Fehlkonfigurationen in Cloud-Umgebungen erkennen.
  • Integration von Sicherheitsmaßnahmen in die DevOps-Kultur: Das Thema Sicherheit sollte von Anfang an in den DevOps-Prozess integriert werden.

Fazit

Mit zunehmender Verbreitung der Cloud-Services ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich Organisationen umfassend über die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, informiert und angemessen auf die Sicherung ihrer Cloud-Systeme vorbereitet sind. Die Bedrohungen, die Trend Micro im Rahmen dieser Untersuchung analysiert hat, decken nicht alle Risiken in der Cloud ab, aber  einige der wichtigsten. Dies ist besonders wichtig für IT- und Sicherheitspersonal, das sowohl die Struktur der Cloud als auch die zu ihrer Absicherung erforderlichen Strategien verstehen muss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.